Luftschloss – Architektur und Utopie


  • ein Aufruf zur gemeinsamen Ausstellung und Vorführung
    für alle im Sommer 2019

Überlegungen
Normalerweise gehen wir davon aus, dass eine Architektur, ein Gebäude, eine Brücke, eine Siedlung einen Ort, einen festen Ort, einen Topos haben. Es gibt aber ganz entscheidende Aspekte von Architektur, die zumindest unabhängig vom Ort sind. Sogar Aspekte, die nur ohne Ort – also utopisch – gedacht werden können. Die Vorstellungen von Raumatmosphäre, von Schutz und Wärme und von Zweck und Funktion beispielsweise. Oder die Überlegungen vom Begriff von Zuhause, vom Ankommen, von Heimat gar. Erste Architektenentwürfe, Architektengedanken haben oft die skizzenhafte, schier utopische Anmutung. Auch in der Philosophie gibt es für freies ungebundenes wildes Denken den Begriff schwebende Architektur. Sie basiert auf Behauptungen.(1) Oder man denke ans Luftschloss. Ein fester Ort und ein stabiler Bau sind dafür nicht wirklich denkbar. Luft und Schloss scheinen aus Träumen zu stammen. Und: das Utopische erscheint wie die Freiheit gegenüber der Realität, die Statik und Ordnung möchte.(2)(3)

Projekt
Ein offenes Ausstellungsprojekt, an welchem sich wie beim Thema ROMANTIK HEUTE 2018 jede und jeder Mensch beteiligen kann. Die Einladung wird öffentlich (z.B. in der neuen AMBULANZ) ausgeschrieben. Zusätzlich wollen wir Künstlerinnen und Architektinnen gezielt ansprechen, an dem Projekt teilzunehmen. Ziel ist es sehr unterschiedliche Ansichten gegenüber zu stellen um insbesondere den Begriff Utopie von verschiedenen Seiten zu befragen. Im Hinblick auf die Vermittlung ergeben sich aus dieser Spanne neue Perspektiven und kontroverse Diskurse, wie sie bei den KUNSTRAUM-Ausstellungen häufig erlebt werden können.
Denkbar sind insbesondere Beiträge aus dem künstlerischen Konzeptbereich aber auch konkrete skulpturale Werke, auch flüchtige Werke im Freien sind möglich. Teilnehmen können alle am Thema Luftschloss Interessierten: Kinder, Jugendliche, Dilettanten und professionelle, „studierte“ Künstler*innen, oder diesseits und jenseits des Renten-Eintritts-Alters. Männer und Frauen und Diverse.

Luftschloss findet statt im Rahmen des Kunstraum-Jahresthemas für 2019:
LABORATORIUM ⑦ – Übersetzungen, Werk und Wirklichkeit

Termine
Alle Teilnehmer*innen haben Zeit bis Pfingsten 2019. Dann freuen wir uns über viele Luftschlösser zur Ausstellung (voraussichtlich im Juli/August 2019) im KUNSTRAUM TOSTERGLOPE. Aktuelle Infos gibts auf www.kunstraum-tosterglope unter der Rubrik aktuell.

Fußnoten zum Schmökern, Vertiefen und Querdenken
(1) Marcus Steinweg, „Behauptungsphilosophie“ oder „Philosophie der Überstürzung“, Merve Verlag Berlin
(2) Siehe auch Georges Perec‘s „Träume von Räumen“, der auch die Utopie der Räume behandelt.
(3) Ähnlich verhält es sich mit unserer Vorstellung von einem Kunstraum, ja sogar von einem Kunstverein. Auch diese sind utopisch vorstellbar, also ohne Zu-Ortung, ohne Verortung. Sie können ausschließlich auf Grund von Eigenschaften (künstlicher oder gedachter Raum) und Bedingungen (eingetragen und steuerfrei) definiert werden.
Oder auch das Beispiel KURATO.kollektiv: der exportierte, bewegte Kunstverein, der sich in verwandelten ambulanten Kontexten manifestiert. Siehe dazu auch unser KURATO.kollektiv 2019. Oder das MAGAZIN, die Ausstellung im Medium Buch-Raum. Es ist zumindest nicht der geografisch definierte Ausstellungsraum. Aber er existiert als potentielle Stelle – auf Reisen, im Bücherschrank, auf der Ladentheke, im Internet-Angebot als PDF-Datei.

Projektentwurf: Johannes Kimstedt