Jahresthema 2019

LABORATORIUM ⑦ – Übersetzungen, Werk und Wirklichkeit

Nachdem wir in den vorangegangenen Jahren bereits in der Nähe der Schnittstellen von BildKunst und MusikKunst und ihrer Vermittlung laboriert haben: die Landung in der Fremde: „1 vor A – vom Anfangen und was davor ist“ (2017) und „Das Neue ist nur in der Zeit“ (2018), möchten wir in 2019 den Fokus schärfen und neu ausrichten und die Vielfalt des Begriffes „Übersetzung“ nochmal näher betrachten. In diesem verbinden sich Vorstellungen und Begriffe von Sprache, Bild, Klang und Bewegung.

Permanent wird übersetzt in der Wahrnehmung und in jeder (bewussten) Äußerung – das wollen wir mit unserem Programm erneut zeigen. Im Gespräch, im Konzert, in einer Ausstellung, bei der Tanzperformance, bei der Vermittlung geht es um nichts Anderes. Übersetzen ist Transformieren, Umwandeln, Begreifbar-machen, eine Form mit Hilfe einer anderen erkennen etc. Wenn ein (künstlerisches) Konzept, ein Plan, eine Idee ins Werk übersetzt wird, beginnt die physische Existenz einer Vorstellung – es wandelt sich in öffentlich Wahrnehmbares. Bei der Übersetzung gibt es aber auch das Moment der Differenz. Die Differenz kann sich in dem Bedeutungswandel zwischen Idee und Werk manifestieren oder in der unterschiedlichen Form – z.B. Sprachklang und Sprachbedeutung, Bild und Text oder Musik und Bewegung. Wahrscheinlich kommen wir schließlich zu dem „Ergebnis“, dass alles in der Wahrnehmung und in der Kunst Übersetzung ist. Beide aber – die Wahrnehmung und die Kunst – sind in Spannung verbunden wie das Kunstwerk und die Realität. Dazwischen liegt der Prozess der Übersetzung. Dieser führt aber nicht zum Verstehen von Kunst, wie manche hoffen, sondern erschließt eine durch Kunst-Erleben neu beleuchtete Welt, in welcher es auch neue Schatten geben wird. Vor diesem Hintergrund wollen wir im Programm 2019 den Pfad verfolgen, der sich zwischen Idee (Vorstellung), Werk und Wirklichkeit abzeichnet und zum Ursprung, zur Idee zurück zu verfolgen ist.