Jahresthema 2020

LABORATORIUM ⑧ – Gänge und Kanäle – Interessen und Beziehungen

„Am Anfang war Beziehung“

Zwischenräume sind Interessen, die sich durch Gänge und Kanäle entwickeln. Es sind charakteristische Verläufe, die in Räumen und zugleich von einem Raum in einen anderen, von einem Feld auf ein anderes, von einer Seite zur anderen, von einem Thema zum nächsten, von einem Zustand in einen anderen führen. Sie mäandern unter Umständen auf Abwegen, mit Umwegen, durchlaufen Verzögerungen und Beschleunigungen, in Ausbuchtungen und auf Verweil-Punkten. Meistens sind diese Verbindungslinien das eigentliche Ereignis und Erlebnis, welches bislang aber hinter den Zielen und Ursprungspunkten eher zurück zu stehen schien.

Einer dieser Kanäle verläuft zwischen „Nutzer“ und Werk. Es ist der Zwischenraum, den wir in der Vermittlung Kunst nennen wollen – zugleich ist aber der Prozess der Vermittlung selbst als Werk zu sehen. Er entwickelt sich als Performance und Transformation. Wird Inter-esse (lat. dazwischen sein) mit Zwischenraum übersetzt, lassen sich die Wege zwischen Werk und Rezipient als Beziehung beschreiben.

Zitate und Fußnoten:


1) „Am Anfang war Beziehung“ Martin Buber, jüdischer Religionsphilosoph
2) „Das Verlangen nach Erkenntnis ist der Philosophie eingeschrieben, der Enthusiasmus. Ebenso, wie dass diese Erkenntnis an ihre Grenzen stößt, nur als Idee sich noch abzeichnet, von dem nicht weiter zu Erreichenden. Über das Haptische hinaus, im Optischen wie Imaginären und Denkbaren, im Zwischen.“
Volkmar Mühleis „Vision und Kunstpraxis“, Vortrag 2019 in der Leuphana Uni Lüneburg,bei „Kunst und ihre Vermittlung“
3) „… Diese Distanz markiert exakt jenen Raum, der in und über Kunst geschaffen wird und zwischen dem, was ist und dem, was sein könnte verortet ist: Im Doppelpass mit dem Imaginär-Ästhetischen wird ein Raum hergestellt, der zwischen der Welt des Seins und des Möglichen verortet ist.“
Dr. Siglinde Lang, „(Spiel)Raum Provinz?!“, Vortrag bei Tagung „Spielräume in der Provinz“ in Genshagen Oktober 2018