KUNSTRAUM TOSTERGLOPE 2014/2015

LABORATORIUM I – Das Wissen der KünstlerInnen

Das leitende Motiv des Programms in 2015 ist die künstlerische Forschung. Unter dem Titel LABORATORIUM – DAS WISSEN DER KÜNSTLERINNEN (1) untersuchen wir die Eigenarten künstlerischer Forschung und die Besonderheiten gegenüber der wissenschaftlichen Laborsituation. Die Idee der „Landung in der Fremde“, die seit 2007 in der Kunst- und Musikvermittlung von KUNSTRAUM TOSTERGLOPE Niederschlag gefunden hat, ging so weit, dass wir uns aufgemacht haben nicht nur zur Landung anzusetzen sondern sogar das Fremde (den Landeplatz) zu erfinden.

Dieser scheinbar paradoxe Ansatz führt schon im Vorfeld künstlerischer Produktion zu erstaunlichen Diskussionen zwischen den Akteuren. Hans-Jörg Rheinberger (2) spricht in seinen Iterationen vom „Unvorwegnehmbaren“ aber auch von der „hartnäckigen Wiederholung“. Zwischen diesen Polen scheinen die Gesetze der künstlerischen Produktivität zu liegen. In der Differenzierung und dem Erkennen von Bekanntem und Unbekanntem/Fremdem entwickelt sich die Kraft (3), die wir als Grundlage fürs künstlerische Tun erkennen. Insofern ist das LABORATORIUM als der Ort (oder der Zustand) zu verstehen, an dem geforscht wird mit offenem Ausgang. Wo gemutmaßt und spekuliert wird, wo wir gemeinsam auf Überraschung setzen, entsteht etwas Neues, Fremdes, „Unvorwegnehmbares“. Keine/r kann wissen, was entstehen wird. Das betrifft die „Leitenden“ und die „Teilhabenden“ gleichermaßen, so dass von einer gemeinsamen Überraschung gesprochen werden kann.

(1) Der Titel Das Wissen der Künste ist auch der Name eines Graduiertenkollegs an der Universität der Künste Berlin seit April 2012. Dieses wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
(2) Hans-Jörg Rheinberger ist Molekularbiologe und war lange Zeit Direktor des Max-Planck-Institutes für Wissenschaftsgeschichte. Er vergleicht in vielen Schriften und Vorträgen die naturwissenschaftliche und die künstlerische Forschung und deren gegenseitige Anregung.
(3) Christopf Mencke untersucht in seinem Buch Kraft (Suhrkamp, 2008) die Bedingungen der ästhetischen Motivation bis hin zur Rauschhaftigkeit im künstlerischen Tun, welches er vom zweckgebundenen Handeln unterscheidet.

LABORATORIUM
– DAS WISSEN DER KÜNSTE
– DAS WISSEN DER KÜNSTLER/INNEN

KURATO.kollektiv
– eine Installation in der Kunsthalle Osnabrück

KUNSTRAUM TOSTERGLOPE plant für 2015 eine Fortsetzung des Formates KURATO.kollektiv. Nach Gastbesuchen in Berlin, Göttingen, Hannover, Lüneburg und Oldenburg ist die Kunsthalle Osnabrück der Ort, an dem das Projekt erstmals ohne Büro-Installation agiert. Dafür wird ein Laboraufbau geplant, welcher Dinge der künstlerischen Produktion, der Kunstverwaltung und die Dinge der Vermittlung repräsentiert. Tische, Vitrinen, Schränke, Sockel und Regale sind hier die Träger des Zeigens, Archivierens, Tauschens und Handelns. Tauschen und Handeln kann nach dem Prinzip des Museums als Kontaktzone, wie es in Tosterglope momentan entwickelt wird, die Grundlage einer Partizipation und einer offenen Kommunikation mit den Ausstellungsbesuchern sein. Wie in einer Ladensituation wird die Installation ästhetischen Prinzipien der Werbung, der Bedeutung der Dinge, des Warentauschs oder Flohmarktes, vor allem aber Aspekten von künstlerischem Wissens- und Geschichtenaustausch und Erkenntnisgewinn wird im LABORATORIUM – DAS WISSEN DER KÜNSTE Raum geben.
Der Kirchenraum wird zum (Ver)Handlungsplatz über Kunstproduktion und Vermittlung. Eine enge Zusammenarbeit mit der Programmentwicklung und mit der Kunstvermittlung der Kunsthalle Osnabrück ist gewünscht. Aspekte aus dem Kunsthallenprogramm können Bestandteil der Installation sein.
Insbesondere die ästhetischen Bereiche der Werbegrafik hinter der Kunst, der Dokumentation nach der Kunst und die Ästhetik der mit Kunst verbundenen Dinge werden von den künstlerischen Akteuren vorgetragen. Beteiligt an dem Aufbau werden sein eine Grafikerin, eine Fotografin, eine (Werbe)Texterin, ein Komponist, eine Schriftstellerin und zwei bildende Künstler. Die Genres sind diesmal wichtiger als die Persönlichkeiten. Die Akteure können während der Installation wechseln.